Art und Geschreibsel
von Lotta Blau & Freunden

Gesäte Zeit

In deinem Atem wollt ich ruhen
schlafen in deinen Worten
ruhen wie in einem Mohnblumenhauch
durch den der warme Sommerwind
das rotgeweinte Kleid weht

es wuchs sich aus den Stürmen der dunklen Tage
ein schwarzes Nirgendwo
ungewisse Samen treiben
durch die Ströme der Sanduhren
jedes neue getriebene Korn
könnte Gleichschritt und Gehorsam
in die Schuhe schieben
die auf den dünner werdenden Eisdecken
der Freiheiten einbrechen

die Herzvasen werden leerer
es regnen Staubbilder
ihre Sterne
aus auferstandenen Himmelsbildern
vergangener verbrannter Rauchschwärze
nehmen unbeschwertes Atmen

kein Schritt hält sich mehr
in den Lüften
kein Blick

die Nachgeborenen

ertrinken an den Versprechungen
und verspeisen ihre Bilder

Gerechtigkeit verdampft an
den aufbewahrten und gepflegten
Schatullen der Geschichte
säuberlich unter Asche des Landes
auf den Feldern poliert
in deren Furchen immer wieder
neu das Brot ausgesät wird

das wir essen müssen

am Morgen
zu Mittag
zum Abend

in der Nacht nimmt sich
der schwarze Vogel
die Reste
übergibt sie den Morgenuhren

Lotta Blau, 2020

Bild:free


Sonnengebet

Du reist mit dem Wort
in deiner Tasche
die Schatten
in der Hand
seh ich den Leuchter
in dein Herz gebrannt
die Vitrine kennt keine Zeit
in der du sitzt
und denkst dir das Ende
deiner Tage zum Beginn
ich kann dir nur die Kerze reichen
in dein Dunkles hinein
setzt sich Wahrheit
in die Sprache

verbrennt das Feuer
die Bücher entlang

Lotta Blau/ 06/2026


Hast du es gewusst
Die Sprache ist wieder
Krieg geworden
Mit leisen Sohlen zum Lauten hin
Durch die Hinterhöfe
Unter den Teppichen lang
Kriecht der Krieg
Legt seinen eiskalten Arm
Unter dein Kopfkissen
Seinen Traum

Hast du es gewusst


Lotta Blau/ 07/2026


In Erinnerung

Blicke
Sitzen stumm
Gegenseitig in den Augen
Wie leer geräumte Möbelstücke
Durchschauen wir uns
Herzkommode Kopfkommode
Reisen unsre Hände ohne Berühung
Unsre Gesichter entlang
Über die Regentage flüchten
Silhouetten die grauen Strassen entlang
Menschen Menschen
Aber wir waren allein
Auf der Welt
In suchenden Lidern
nach dem Bahnhof der Gefühle