Art und Geschreibsel

von Lotta Blau & Freunden

Pola Polanski

Was beeindruckt mich, wenn ich Polas Kunst sehe? Ich kann sie spüren. Ich spüre sie, durch die Perspektiven der Augen ihrer Zeichnungen. Sie scheut sich nicht, die schlimmen, furchtbaren Seiten des Lebens und der Geschichte darzustellen. Sie sieht hin und beleuchtet das, was gerne zur Seite geschoben wird. Aus ihren Bildern sprechen Ängste, sprechen Qual, sprechen Anklagen und doch auch irgendwie in manchen Bildern eine Besänftigung. Offen aussprechen. Hinweisen. Rütteln. Gedenken. Das schafft sie. Betroffenheit, Trauer, auch Zorn. Die Palette der Emotionen wenn sie wirken, ihre Bilder, ist umfassend. Manches Mal will ich in den Arm nehmen und trösten, die es nicht mehr zu trösten geht. Erinnern...erinnern an Gräueltaten aus denen Suizid erwuchs. Aber auch ganz persönliche Schicksale wieder bildhaft werden. Sie reiht auf und tut das mit mahnender Überzeugung. Es haben sich so viele verloren. Und viele ließen wir los. So manche Dichterin oder Dichter ist heute wie vom Licht verschluckt, wie sich immer mehr die Kunst und Literatur im Schatten aufhält. Dabei wollten sie doch gerade aus der Finsternis Auswege suchen. Ob Paul Celan, Klaus und Heinrich Mann, ob Ingeborg Bachmann, die mit schwersten Brandwunden ins Krankenhaus eingeliefert wurde und dort wenig später verstarb, ob Tucholsky oder viele, viele andere. Viele während des Nationalsozialismus, im Exil oder in den Nachkriegsjahren, wie Paul Celan. Andere zerbrachen und blieben am Leben, wie Nelly Sachs oder Rose Ausländer, die sich in ihren letzten Lebensjahren in ihrem Zimmer im Altenheim einkapselte. Das Bett nicht mehr verließ. Die Wunden nie geheilt und immer wieder wurde an ihnen gekratzt und sie aufgerissen. Die Verfolger, die Denunzianten, die Mörder...sie blieben ja. Anderen wurde zur Flucht verholfen. Die Wenigsten wurden verurteilt und wenn, dann wurden sie frühzeitig entlassen. Man legte der Aufarbeitung schwere Steine in den Weg. Schon bald gab es wieder Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen oder Gebäuden. Wurden Fenster eingeschlagen und wurde bedroht. Und wie sagte Stefan Zweig: Einmal muss entweder der Sturm enden, oder man endet selbst. Es braucht solche Zusammenfassungen, solche Stiche ins Herz, wie die Bilder von Pola.

Es muss gefühlt werden. Wir müssen die Gräber immer wieder neu ertasten. Ihren Atem. Ihr Schaffen, ihre Werke, ihr Leben. Den Staub, den wir einatmen...er ist uralt und er könnte auch von ihnen schon geatmet wurden sein. Jeder Atemzug wurde schon geatmet. Unendlich viele Male. Unzählbar. Wir alle atmen uns durch Staub. Wir alle atmen sie, die Toten. Und wir atmen Leben. Wir leben mit ihnen. Es kann nicht genug daran erinnert werden!

Lotta Blau, 2021

Werke: Pola Polanski /mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin

Website

Herzlichen Dank, liebe Pola.

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