Art und Geschreibsel

von Lotta Blau & Freunden




Baumphilosophie und Brücken-Geschichte/ Die Künstlerin Wiltrud Schachinger

Wenn hinter Birkenstämmen Licht einfällt, es schneit und das Wintertreiben die Stämme mit den Schneeflocken in eine zittrig, zarte Stille salbt, dann ergibt das eine friedliche Einsicht, wie das Leben sein könnte. Die Sinne baden in dieser Besänftigung. Kurzatmiges Vergessen des Allgegenwärtigen, bis sich wieder der Verstand dazu schaltet. Ein anderes Bild, der Künstlerin Wiltrud Schachinger zeigt Birkenbäume in der Nacht. Sie wirken darin, wie Gespenster, die sich ins Finstere räkeln, als würden sie uns Geschichten über die Hoffnung erzählen wollen. Vom Dunklen ummantelt, bleiben sie leuchtend und wegweisend.


Philosophische Baumbildnisse. Zusammenhalt, selbst wenn der Mond scheinbar mitten in die Harmonie, mitten in die Zuversicht gefallen scheint. So auf ihrem Bild: Birken und Mond. Ein anderes Bild: bridges. Links und rechts kein Entkommen. Der Blick windet sich. Will Ausweichmöglichkeiten haben. Weigert sich beinah zum anderen Ende der Brücke zu sehen. Dort tobt ein Feuer, so jedenfalls kann es wirken. Brennende Stadt in lodernden Farben. Was tun? Vor der Brücke stehen bleiben oder die Neugier siegen lassen und Augen-Schritt für Augen-Schritt weiter gehen?


Brücken sind eine großartige Metapher. Beinah für alle Lebenslagen, die man in sich arbeiten fühlt, aber auch für das, was in der Welt geschieht. Letztendlich mündet alles im Individuum. Möglicherweise lauert am anderen Ende der Brücke ein Krieg, es könnte auch etwas ganz anders sein: Brennt die Liebe? Wartet sie vielleicht dort und lässt man das alte Verbrannte hinter sich, um ins neue metaphorische Feuer zu steigen? Alles ist möglich. Wir sind Möglichkeiten, geboren aus Erfahrungen und Impulsen. Was spielen Ängste dabei für eine Rolle? Zum Beispiel das Zerbrechen der Brücke? Gerade heute ein Thema. Es könnte nicht aktueller sein. Mittlerweile sind schon unzählige Brücken, große, wie kleine, stabile, wie sowieso schon zerbrechlich gewesene, fortgeschwemmt. Sie treiben die Ufer lang. Tag und Nacht. Ihre Holzstämme teilen sich noch weiter, bröckeln und werden schwerer und schwerer. Manche verfangen sich und stranden im Gewirr der Gewässer. Dort rotten sie vor sich hin.


Und doch bieten sie dem Leben ihre Stirn. Heben ihre Holzbäuche in die Sonne und werden Ort für Libellen, Wasserpflanzen oder Zuflucht für Fische, die an ihren Rändern Schutz suchen. In jedem Ende wartet ein Beginn. Irgendwie, irgendwann und wenn auch noch versteckt und schüchtern.

Ein See im Winter. Zugefroren. Der Himmel, die umzäunenden Bäume scheinen, als ob sie das Eis zusammenschieben würden. Graue Wolken, weiße Sonne. Caspar David Friedrich kommt in den Sinn und auch seine Erfahrungen und sein Leid. Eisschollen und brechendes Eis. Tod seines Bruders und sein Überleben, sein Hadern damit und danach. Brücke zu Paul Celan...warum habe ich überlebt und hab ich mich zu wenig um meine Eltern gekümmert? Schuldgefühle...Schwermut.


Zugefrorene Seen und Teiche sind immer am Schilf und dort, wo das Eis hohl klingt sehr gefährlich. Brücke zur Gegenwart unter der es auch gefroren ist. Stürzen wir gänzlich in die Kälte hinab oder gelingt es uns gemeinsam durchs metaphorische Feuer zu gehen?

Wiltrud Schachinger versteht es die Aussagen ihrer Bilder offen zu lassen. Sie minimiert geschickt und prescht dann doch mit den Farben hervor. So, wie in "mixed 2". Dieses Bild schleudert einen hin - und her. Gegensätze. Wieder Feuer und dann beinah heilig Abstraktes, das wie kauernde Engel, im noch größeren weißen Schein wirkt. Wieder kleckert sich scheinbar das Feuer in das Friedliche hinein. Wieder werfen die Farben ihre Widersprüche in die Augen und doch sind es ja eigentlich keine, sondern setzen gekonnt Akzente. Erinnern daran, dass sich Gegensätze zum Gesamtbild brauchen. Widersprüche und Widersetzen eine Grundvoraussetzung revolutionärer Bildnisse unserer Evolution sind. Unentbehrlich Für und Wider ergänzen und antreiben oder ausbremsen und voneinander lernen. So rollen die Impulse durch die Farben und das, was man meint zu erkennen. Wie oft, wird wohl jeder etwas anders sehen, erfühlen, erträumen oder zusammen denken.


Und das ist gut so.

Lotta Blau, 2021


Liebe Wiltrud, herzlichen Dank für die wunderbar bereichernden Momente, die ich durch das Betrachten  Deiner Bilder bekam und dass wir Dich nun bei den Kunst-Gammlern begrüßen dürfen.

Alle Rechte der Bilder bei der Künstlerin. Kontaktaufnahme bitte unter: Website: www.goodliving.at



  • autumn-tree 50x70cm, acryl
    autumn-tree 50x70cm, acryl
  • earth 60x80cm, acryl
    earth 60x80cm, acryl
  • earth 70x140cm, acryl
    earth 70x140cm, acryl
  • enc dolphins 30x40
    enc dolphins 30x40
  • enc flowers 50x50
    enc flowers 50x50
  • enc ghost 30x40
    enc ghost 30x40
  • enc last dino 30x40
    enc last dino 30x40
  • enc batmen 50x50
    enc batmen 50x50
  • enc mountain 50x50
    enc mountain 50x50
  • mixed1 40x50cm
    mixed1 40x50cm
  • nighttrees 50x70cm, acryl
    nighttrees 50x70cm, acryl